In fünf Schritten zum perfekten Betrug

  1. Zapfen sie die Insassenversicherung an
    Die meisten Kfz-Versicherungen schließen auch eine Insassenversicherung mit ein, die kleinere Personenschäden bei Mitfahrern im Fahrzeug abdeckt. Die Mitfahrerin auf dem Rücksitz klagt über ein Schleudertrauma? Die Versicherung zahlt dafür – und fragt meist nicht nach.
  2. Kleine Versicherungen sind die leichteren Opfer
    Je größer die Versicherung, desto mehr Ressourcen wird sie für die Betrugserkennung bereitstellen und desto größer sind auch die Fallzahlen, die zum internen Quercheck zur Verfügung stehen. Ideale Opfer sind mittlere bis kleine Versicherungen, bei denen Kfz-Policen nur ein Nebengeschäft sind. Sie werden in der Regel weniger in Nachforschungen investieren und schneller (und mehr) zahlen.
  3. Wählen sie plausible Unfallmuster und suchen sie sich unverdächtige Mittäter
    Alles muss so normal und harmlos wie möglich aussehen. Finstere Gestalten mit zweifelhaftem Lebenslauf oder gar Vorstrafen sind tabu. Ideale Mittäter, ob als Passagiere, Fahrer oder Zeugen, sind unbescholtene Bürger. Entscheidend ist, dass der Unfall keine bekannten Muster und Klischees bedient. Keine außergewöhnliche Schadenssumme. Kein unüblicher Unfallverlauf. Keine zeitliche Häufung von Fällen. Keine geografischen Auffälligkeiten. Generell: keine offensichtlichen Faktoren, die bei der Versicherung Fragen aufwerfen können.
  4. Führen sie eine straffe Regie
    Wenn das Drehbuch offensichtliche Logikfehler enthält, merkt das der Kinobesucher. Wenn Unfallhergang, Zeugenaussagen und Anträge nicht schlüssig sind, wird die Versicherung hellhörig. Es braucht also eine zentrale Regie, einen Masterplan, in dem die Fäden zusammenlaufen. Aber aufpassen: Geben sie diesen Plan nie aus der Hand – erst recht nicht an unbedarfte Mitläufer.
  5. Niemand weiß alles
    Ein Betrugsnetzwerk ist nur dann weitgehend sicher, wenn der einzelne Beteiligte so wenig wie möglich weiß. Ideal ist, wenn niemand den anderen kennt, und keiner über die Zusammenhänge informiert ist. Auf diese Weise können keine gefährlichen Lecks entstehen und die Versicherung keine offensichtlichen Muster erkennen.

     
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Es geht nicht darum, mehr Fälle zu bearbeiten und daraus zu lernen. Sondern darum, die richtigen Fälle zu identifizieren und an den entscheidenden Stellen die Netzwerke zu kappen.

 

Der Dreh- und Angelpunkt sind Informationen. Die Versicherungen haben meist zu wenig davon, und das nutzen die Betrüger gnadenlos aus. Selbst wenn der Sachbearbeiter in der Schadensregulierung einen unbestimmten Verdacht hegt, hat er meistens keine Chance, diesen Verdacht mit Fakten zu erhärten. Hier rächt sich, dass bei Versicherern die Daten noch immer in verschiedenen Silos liegen. Schadenvorgänge und Transaktionsdaten sind nicht ausreichend verknüpft. Von einer Netzwerkanalyse kann auf dieser Basis keine Rede sein. Deshalb muss der erste Schritt in einer intelligenten Datenintegration bestehen.

Dann erst geht es an die eigentliche Abwehrschlacht: die Mustererkennung. Sie deckt Ungewöhnliches auf, auch ohne zuvor zu wissen, wonach man sucht. Kombiniert mit den bekannten regelbasierten Systemen und einer sozialen Netzwerkanalyse stehen dem Versicherer weit bessere Werkzeuge zur Verfügung, um Verdachtsfälle zu finden, auch wenn keine „Vorgeschichte“ besteht.

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