Ich lasse mich löschen

Mir schießt also die Frage durch den Kopf: Woher haben die meine Handynummer? Lasse diesen Gedanken aber besser gleich wieder fallen, denn wer sollte das nachvollziehen können, und wer hätte ein Interesse daran, mir zu verraten, wie sie den Weg zu dieser Gesellschaft gefunden hatte? Und so freue ich mich auf das nächste Jahr. Denn dann greift die DSGVO, genannt EU-Datenschutz-Grundverordnung. Dann werde ich diese Konsumforschungsgesellschaft löchern. Ab Mai 2018 müssen die mir Rede und Antwort stehen, woher sie meine Daten haben, was sie damit vorhaben und wo sie diese überall gespeichert haben bei sich im Unternehmen.

Irgendwie tut sie mir leid: diese neugierige Konsumforschungsgesellschaft mit ihren Bierfragen an mich. Denn ich bin ja nicht ihr einziges Telefonkaninchen. Ich will mir gar nicht vorstellen, über wie viele Tausende Handynummern sie Herr sind. Und ich rede nur von den Handynummern. Kontodaten, Sozialversicherungs- oder Kreditkartenummern, demografische Daten oder IP-Adressen oder, oder, oder – sind noch gar mitgedacht.

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Der gute alte Mensch hat für solcherlei Aufgaben ausgedient. Er wird scheitern. Nicht so eine intelligente Datenmanagement-Plattform mit zentralisierter Sicht auf alle Daten.

Michael Herrmann, SAS

Mir scheint, als habe die Gesellschaft ein Datenortungsproblem. Wie will sie herausfinden, wo und wie und was und warum wer mit welchen Daten bei ihnen abgelegt ist? Bei diesem Gedanken kann einem schwindelig werden. Denn ich gehe gerne davon aus, dass die Konsumforschungsgesellschaft a) ihre Kunden in Form von Daten behalten will, und dass b) auch die Kunden ihre Daten dort lassen wollen – die meisten zumindest wie ich ja auch. Aber eben nicht mehr um jeden Preis, sonst lasse ich mich löschen.

Sie kann mich behalten, wenn …
… sie sich künftig an die DSGVO-Regeln hält: Sie muss meine Daten klassifizieren, katalogisieren, anonymisieren, pseudonymisieren und verschlüsseln. Dann muss sie meine in ihrem Unternehmen mäandernden Daten permanent nachvollziehen können. Sie muss dokumentieren, für welche Wissenskanäle sie genutzt worden sind und was sie mit ihnen vorhat. Alle Zugriffe sind zu protokollieren und Rechte zu definieren, die festlegen, wer was mit meinen Daten tun darf.

Und der nächste Punkt gefällt mir besonders gut: Bekomme ich mit, dass meine Daten missbraucht worden oder verloren gegangen sind, dann muss die Konsumforschungsgesellschaft innerhalb von 72 Stunden – das sind drei Tage – dieses der Aufsicht melden. Und sie muss sie wissen lassen, was sie gedenkt zu tun, um das Problem mit meinen Daten zu beseitigen. Übrigens: Das betrifft auch Unternehmen außerhalb der EU, wenn diese mit EU-Verbraucherdaten umgehen.
 

Spätestens jetzt ist mir klar, dass der gute alte Mensch für solcherlei Aufgaben ausgedient hat. Er wird scheitern. „Nicht so eine intelligente Datenmanagement-Plattform mit zentralisierter Sicht auf alle Daten“, findet Michael Herrmann von SAS. „Protokollierungen, Nutzerzugriffe und Verschlüsselung der Daten werden durchgängig verwaltet. Daten lassen sich auch viel einfacher finden, selbst wenn sie sich in falschen Spalten oder an Textstellen verstecken, wo man sie nicht vermuten würde. Auch Daten, die falsch benannt worden oder nur anhand des Kontextes erkennbar sind, sind mit einer solchen Plattform leicht aufspürbar. Unternehmen wie die Konsumforschungsgesellschaft können ihr komplettes Netzwerk unabhängig vom Betriebssystem durchsuchen.“

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