Erfolgsfaktor Zuverlässigkeit

SR Technics liefert "Reliability Reports" für Flugzeugflotten auf Knopfdruck.

SR Technics kooperiert mit SAS bei der Realisierung des Projekts VIPER, mit dessen Hilfe Berichte über den Zustand von Flugzeugflotten in einem Bruchteil der früher benötigten Zeit erstellt werden können.

Überblick

Jede Fluggesellschaft ist gesetzlich verpflichtet, die Sicherheit und Zuverlässigkeit ihrer Flugzeuge zu überwachen. Dies basierend auf den nationalen und internationalen Anforderungen durch die Luftfahrtbehörden. Zu diesem Zweck werden während eines Flugs kontinuierlich riesige Mengen relevanter Daten (siehe Grafik 1) aufgezeichnet. SR-Technics-Spezialisten analysieren die Daten und stellen diese dem Kunden monatlich in einem Zuverlässigkeitsbericht – dem so genannten Reliability Report – zur Verfügung. Die zur Auswertung erforderlichen Daten werden aus dem ERP-System von SR Technics gezogen. Die Einspeisung der Daten in das System erfolgt entweder via einen digitalen Link oder durch manuelle Eingaben. Dank des neuen Systems VIPER, welches auf SAS Technologie basiert, können die Reliability Reports heute innerhalb von wenigen Tagen erstellt werden. Vor der Einführung von VIPER hat diese Arbeit manchmal drei Wochen in Anspruch genommen. „Wir gewinnen Zeit und können uns mehr um unsere eigentliche Aufgabe, nämlich die Datenanalyse, kümmern", sagt Nathan Hueber, Engineer Aircraft Reliability bei SR Technics.

Wir haben die Zeit, die wir für die Erstellung eines Berichts brauchen, stark reduzieren können. Damit gewinnen unsere Ingenieure mehr Zeit für die wichtige Analyse und Interpretation der Daten, was im Endeffekt auch für unsere Kunden Mehrwert schafft.

Roland Arntz
Head Aircraft Planning & Documentation

Mit dem Einsatz von VIPER haben unsere Reliability Reports eine konstant hohe Qualität. Das schätzen auch unsere Kunden.

Nathan Hueber
Engineer Aircraft Reliability

Der Kunde

Viele Fluggesellschaften lagern die hochkomplexe und technisch anspruchsvolle Wartung ihrer Flotten an spezialisierte Unternehmen aus. SR Technics ist seit über 75 Jahren einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von technischen Dienstleistungen für die zivile Luftfahrt und bietet massgeschneiderte Lösungen im Bereich von Flugzeug-, Komponenten- und Triebwerkswartung an.

Gegenwärtig beziehen etwa 500 Kunden rund um den Globus Gesamtlösungen und Serviceleistungen für etwa 800 Flugzeuge und 78'000 Komponenten. SR Technics mit Sitz am Flughafen Zürich beschäftigt rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,76 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet.

Bereits seit vielen Jahren arbeitet SR Technics mit dem ebenfalls durch SAS realisierten Überwachungssystem FALCON, das die Triebwerksleistungen der Flugzeuge aufzeichnet, analysiert und potenzielle technische Mängel frühzeitig prognostiziert. Im Rahmen des Projekts VIPER wurde nun ein System eingeführt, das die umfangreichen Datensammlungen und komplexen Berechnungen sämtlicher Flugzeugkomponenten durchführt und Basis für die monatlichen Reliability Reports ist.

Die Herausforderung

Die Kunden verlangen die Zuverlässigkeitsberichte aus gesetzlichen Gründen, aber auch, um die Wirtschaftlichkeit ihrer Flugzeuge zu überprüfen und weiter zu steigern. Die Berichte, die pro Flugzeugtyp (z.B. die A320-Flotte) erstellt werden, enthalten sehr detaillierte Informationen über den Zustand der einzelnen Flugzeuge während des vorangegangenen Monats. SR Technics wertet die Daten aus und vergleicht sie mit denjenigen der letzten zwölf Monate.

SR Technics erstellt die Reliability Reports momentan für zehn Fluggesellschaften, die jeweils einen Full-Support-Vertrag abgeschlossen haben, also sämtliche technischen Wartungen durch SR Technics durchführen lassen. Monatlich fallen damit ca. 35 Berichte an, von denen jeder einzelne sehr heterogene Daten aus diversen komplexen Anwendungen und Systemen enthält. Bisher wurden diese Daten manuell extrahiert und in Excel-Tabellen eingegeben, wofür ein Ingenieur jeweils nahezu drei Wochen benötigte. Die wichtige Analyse und Präsentation der Ergebnisse, auf deren Grundlage allfällige technische Probleme erst behoben werden können, war in einer knappen Woche kaum zu bewältigen. Mehrere Ingenieure beurteilen dabei einzelne Subsysteme der Flugzeuge. Weichen die Ergebnisse von den vorgegebenen Werten ab, werden den Fluggesellschaften bei den monatlichen persönlichen Besprechungen konkrete Massnahmen, zum Beispiel der Austausch von Komponenten, vorgeschlagen. Das wichtigste Ziel der neuen Lösung war daher, Zeit bei der Erstellung der Berichte zu sparen und diese für die Interpretation der Ergebnisse zu gewinnen.

DIE UMSETZUNG

Die Einführung des Projekts VIPER (Very Important Program to Extract Reports) begann im Sommer 2007 und konnte innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. Die Ingenieure entschlossen sich, das Projekt zusammen mit Beratern von SAS in einem Bottom-up-Ansatz durchzuführen und damit die Entwicklung des Systems kontinuierlich an die effektiven Bedürfnisse der Benutzer anzupassen. Die Umstellung auf die neue Software erfolgte schrittweise: Nacheinander wurden bestimmte Parameter wie Flugstunden, Triebwerksleistungen oder Pilotenbeanstandungen in das System eingespeist.

Bei der Erstellung der Berichte kommt nach wie vor Excel zum Einsatz – allerdings nicht mehr als Datenbank, sondern nur noch für die grafische Darstellung. Die Daten werden neu mittels Abfrageroutinen direkt von Excel aus dem SAS Data Warehouse abgerufen. Durch die Verwendung der ursprünglichen Benutzeroberfläche (Excel) entfällt allerdings eine aufwendige Schulung.

Die Lösung

Während die grafische Aufbereitung der Daten also weitgehend gleich geblieben ist, hat sich ihre Qualität deutlich verbessert. Noch wertvoller ist für SR Technics, dass die Informationen heute innerhalb einer Minute bereitgestellt werden. Die Ingenieure benötigen anschliessend rund drei Tage für eine übersichtliche Visualisierung in Excel.

Das System VIPER liefert damit präzise und schnell sehr detailliert Ergebnisse über die Zuverlässigkeit der Flugzeugsysteme und -komponenten. Der Zeitgewinn bei der Erstellung der Reliability Reports ermöglicht eine profunde Analyse, so dass Abweichungen und Trends frühzeitig erkannt und rasch geeignete Massnahmen ergriffen werden können. Durch die Automatisierung des Prozesses wurden zudem die potenziellen Fehlerquellen der manuellen Dateneingabe in Excel eliminiert. „Mit dem Einsatz von VIPER haben unsere Reliability Reports eine konstant hohe Qualität. Das schätzen auch unsere Kunden", sagt Nathan Hueber, Engineer Aircraft Reliability bei SR Technics.

Der Nutzen

Neben der Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen gibt es durchaus auch wirtschaftliche Aspekte bei der Erstellung und Auswertung der Zuverlässigkeitsberichte. Denn jede Airline ist bestrebt, die Betriebs- und Wartungskosten ihrer Flugzeuge zu optimieren. Die Berichte liefern deshalb auch wichtige Erkenntnisse für Entscheidungen zum Beispiel in Bezug auf den Flugzeug- und Komponentenkauf. „Wenn wir anhand eines Reliability Reports zum Beispiel erkennen, dass ein Triebwerk mehr Kraftstoff als gewöhnlich verbraucht, wirkt sich das direkt auf die Betriebskosten der Fluggesellschaft aus", erläutert Roland Arntz, Head Aircraft Planning & Documentation bei SR Technics.

Eine zuverlässige Expertise und das schnelle Aufdecken von Problemursachen können beispielsweise auch dazu führen, dass Mängel von den Flugzeugherstellern im Rahmen der Garantieleistungen behoben werden müssen. Oder die Erfahrung zeigt, dass die Wartungsfrequenzen angepasst werden können, so dass einzelne Komponenten zum Beispiel nur noch alle 800 anstatt alle 600 Stunden gewartet oder gewechselt werden müssen. Auch auf wiederkehrende Probleme kann heute besser reagiert werden: So hatte sich in den Berichten einer Fluggesellschaft herausgestellt, dass ein bestimmtes Ventil für die Zuführung kalter Luft auf das Turbinengehäuse bei der gesamten Flotte immer wieder ausgewechselt werden musste. SR Technics konnte der betroffenen Fluggesellschaft empfehlen, alle Flugzeuge mit einem modifizierten Ventil auszustatten.

Ausblick

„Dank der neu gewonnenen Zeit bei der Report-Erstellung haben wir heute die Kapazität, auch für Kunden ohne Full-Support-Vertrag Berichte für einzelne Komponenten zu erstellen. Bisher wäre der Aufwand dafür viel zu gross gewesen. Des Weiteren lässt sich durch die schnelle und fehlerfreie Verarbeitung der komplexen Daten die Anzahl der untersuchten Komponenten erhöhen", sagt Roland Arntz.

„Eine Herausforderung wird es sein, sicherzustellen, dass die Anwender die Parameter konsequent nur noch auf der Ebene von VIPER oder dem Data Warehouse anpassen und nicht auf der Excel-Oberfläche, wo sie bei der nächsten Berichterstellung mit VIPER nicht berücksichtigt würden."

Um die Analysen weiter zu verfeinern, könnte VIPER um meteorologische Daten wie Temperatur und Wetterverhältnisse ergänzt werden, die von den Flugplätzen ohnehin erhoben werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Klimazonen, in denen die Flotten unterwegs sind, einen entscheidenden Einfluss auf die Wartung haben: Abflüge bei sehr extremen Aussentemperaturen beanspruchen die Flugzeuge unterschiedlich. Und oft hat die Witterung Einfluss auf spätere technische Mängel. Durch das Einspeisen von Wetterdaten in VIPER könnten die Zuverlässigkeitsberichte auch auf diesen wichtigen Faktor abgestimmt werden.

SR Technics

Business Thema

Verlässliche und zeitgenaue Erstellung von Zuverlässigkeitsreports für mehrere Flugzeugflotten.

Lösung

SAS® Enterprise Guide

Nutzen

Automatisierung, Effizienzgewinn und frühzeitige Trenderkennung bei der Berichterstattung. Erkennung von Optimierungspotenzial bei Betriebs- und Wartungskosten einer Flugzeugflotte.

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