Volkszählung – state of the art

Schnellere Verfügbarkeit, präzisere Informationen und weniger Kosten im Bundesamt für Statistik der Schweiz

Der Kunde

Wenn Politiker, Universitäten, kommerzielle Forscher oder interessierte Bürger zuverlässige Informationen über die Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in der Schweiz benötigen, ist das Bundesamt für Statistik (BFS) ihre erste Anlaufstelle. Der Informationsabruf ist auf die sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse der Fragesteller zugeschnitten und erfolgt äußerst anwenderfreundlich. Über das Internetportal des BFS sind zudem Online-Abfragen auf Knopfdruck möglich. Hinter dieser ausgesprochen unkomplizierten Verfügbarkeit statistischer Informationen steckt ein hochelaborierter Prozess. Diesem wurde im Jahr 2010 eine weitere, neue und innovative Methodik zugrunde gelegt. Das BFS nutzt heute bei der Strukturerhebung im Rahmen der jährlichen Volkszählung ein Datenaufbereitungsverfahren nebst entsprechender techno- logischer Infrastruktur, das – auch im internationalen Vergleich – als „State of the Art" bezeichnet werden darf. Hinzu kommen neue, anspruchsvolle Analysemethoden, für die die Bearbeitung multipler Datensätze erforderlich ist. Etwa beim Vergleich der höchsten abgeschlossenen Ausbildungsstufen zwischen Eltern und Kindern oder bei Auswertungen von Sprachen und Kombinationen von Sprachen, die in den Schweizer Haushalten gesprochen werden. SAS ist ein wesentlicher technologischer Enabler des neuen Erhebungssystems. Explizit bei der Datenaufbereitung und den komplexen Analysen.

Hintergrund

Zwischen 1850 und 2000 wurde in der Schweiz alle zehn Jahre eine Volkszählung in Form einer Vollerhebung durchgeführt. Als zuständige Bundesstelle der Schweiz ist das BFS seit 1860 verantwortlich für die Koordination dieser und weiterer Erhebungen. Neben der Volkszählung und anderen bestens bekannten Statistiken wie der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung erarbeitet das BFS auch zahlreiche spezialisierte Statistiken, etwa zum Güterverkehr oder zur Kriminalität. Damit schafft das BFS einheitliche Grundlagen im Interesse der nationalen und internationalen Vergleichbarkeit. Zudem liefern die Statistiken wichtige Informationen für die demokratische Entscheidungsfindung.

Die effizienten Prozesse wirken sich auch auf die Ergebnisqualität aus. Dank der differenzierten Betrachtung von Entwicklungstendenzen profitiert die Politik beispielsweise von der Möglichkeit, früher auf bestimmte Themen reagieren und Lösungswege weitsichtiger erarbeiten zu können.

Jean-Paul Kauthen
Gesamtprogramm-Koordinator Volkszählung/SHAPE beim Bundesamt für Statistik

Ausgangssituation

Die Volkszählung des Jahres 2000 war die letzte ihrer Art, denn eine Gesamterhebung dieses Umfangs hat viele Erfordernisse mit sich gebracht, die den modernen Ansprüchen an eine Bundesstatistik zwar in den Ergebnissen, aber nicht mehr in der Form ihrer Umsetzung entsprachen. Mit dem Bundesgesetz über die Harmonisierung amtlicher Personenregister (Registerharmonisierungsgesetz) und dem Bundesgesetz über die eidgenössische Volkszählung wurden 2006 und 2007 die rechtlichen Voraussetzungen für eine neue Volkszählung geschaffen. Anstelle einer Vollerhebung, „Die effizienten Prozesse wirken sich auch auf die Ergebnisqualität aus. Dank der differenzierten Betrachtung von Entwicklungstendenzen profitiert die Politik beispielsweise von der Möglichkeit, früher auf bestimmte Themen reagieren und Lösungswege weitsichtiger erarbeiten zu können." Jean-Paul Kauthen Gesamtprogramm-Koordinator Volkszählung/SHAPE beim Bundesamt für Statistik an der sich jeder Haushalt mit allen Haushaltsmitgliedern – einschließlich Kindern und Ausländern – einmal pro Dekade beteiligen musste, werden die Informationen seit 2010 neu über Registererhebungen und ergänzende Stichprobenerhebungen erlangt. Die neue Volkszählung stützt sich in erster Linie auf Registerdaten. Die entsprechenden Quellen sind kantonale und kommunale Einwohnerregister, Bundespersonenregister sowie das eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister. Ein Einwohnerregister beinhaltet alle relevanten demographischen Angaben zu den Einwohnern der einzelnen Gemeinden. Zusätzlicher Informationsbedarf, der über die in den Registern geführten Merkmale hinausgeht, wird mittels ergänzender Stichprobenerhebungen abgedeckt. Die Statistikproduktion – von der Erhebung bis zum Output – wird in das neu eingeführte Gesamtsystem für „Haushalts- und Personenstatistiken" namens SHAPE integriert und dort koordiniert.

Das Projekt

Um diese Systemumstellung gewährleisten zu können, war zunächst eine flächendeckende Harmonisierung der Einwohnerregister in den rund 2500 Gemeinden nötig – bis dahin wurden die Registerinformationen teilweise sehr unterschiedlich geführt. Insgesamt waren rund 80 verschiedene Softwaresysteme und sehr unterschiedliche Datenbanken im Einsatz, und auch die Zuordnung einzelner Erhebungsparameter erfolgte nicht einheitlich. Ein wichtiges Ziel der Registerharmonisierung war deshalb, dass alle Daten, die für die jährliche Registerzählung an das BFS geschickt werden, einheitlichen Standards entsprechen. Die Standardisierung, die durch das Registerharmonisierungsgesetz erst möglich wurde, erlaubt jetzt nicht nur eine Datenlieferung an die Statistik, sondern auch den elektronischen Datenaustausch zwischen den betroffenen Registern von Bund, Kantonen und Gemeinden.

„Die effizienten Prozesse wirken sich auch auf die Ergebnisqualität aus. Dank der differenzierten Betrachtung von Entwicklungstendenzen bei Faktoren wie Sprache, Religion, Erwerbstätigkeit, Pendlerverhalten oder Haushaltstyp, die bei der Strukturerhebung bestimmt werden können, profitiert die Politik beispielsweise von der Möglichkeit, früher auf bestimmte Themen reagieren und Lösungswege weitsichtiger erarbeiten zu können", so Jean-Paul Kauthen, Gesamtprogramm- Koordinator Volkszählung/ SHAPE beim BFS.

Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit SAS im Projekt der Strukturerhebung waren auch langjährige und gute Anwendungserfahrungen innerhalb des BFS, wo heute bereits rund 400 der insgesamt 746 Mitarbeitenden SAS aktiv nutzen.

Das BFS hatte eingangs sämtliche Prozessanforderungen dokumentiert. Auf dieser Basis wurde die entsprechende IT-Architektur durch das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation in enger Zusammenarbeit mit dem BFS entwickelt. SAS war hier von Beginn an als strategischer Softwarepartner gesetzt. Die Personenregister von Bund, Kantonen und Gemeinden liefern heute die im Registerharmonisierungsgesetz bezeichneten Informationen an das BFS. Diese Daten bilden das Kernelement der neuen jährlichen Statistik der Personen und Haushalte in der Schweiz. Die eigentliche Volkszählung erfolgt jedes Jahr zum Stichtag 31. Dezember. In diese fließen sowohl die Resultate der Registererhebung als auch die der ergänzenden Stichproben- oder Strukturerhebung ein. Die jährliche Stichprobe der Strukturerhebung umfasst circa 200.000 Personen, die einen Fragebogen erhalten, zu dessen Beantwortung sie gesetzlich verpflichtet sind. Dieser Fragebogen bezieht sich auf Themen, die nicht durch Registerinformationen abgedeckt sind. Ergänzend werden periodisch weitere thematische Erhebungen sowie eine so genannte Omnibusbefragung zu einem jeweils aktuellen Thema durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls in die Volkszählung einfließen. „Insgesamt basiert das heutige Verfahren auf vier Erhebungssäulen, wodurch wir eine Aktualität der Ergebnisse erhalten, die mit der alten Methodik nicht realisierbar war. Voraussetzung hierfür sind natürlich zuverlässige Prozesse, angefangen mit der Datenaufbereitung", so Jean-Paul Kauthen. Der neue statistische Datenaufbereitungsprozess erfolgt in drei Schritten:

  • Initialdatenaufbereitung
  • Mikrodatenaufbereitung
  • Makrodatenaufbereitung

SAS kommt hier zunächst bei der Validierung innerhalb der Initialaufbereitung der Daten der Strukturerhebung zum Einsatz. Etwa, wenn es darum geht, eventuelle Widersprüche innerhalb der Angaben eines Fragebogens zu identifizieren, die sich bei der manuellen Sichtung nicht unmittelbar erschließen. Ein Beispiel: Alter und höchste abgeschlossene Ausbildungsstufe müssen in einem plausiblen Verhältnis stehen – ein 18-Jähriger kann noch kein Doktorat (Promotion) erlangt haben. Insgesamt ist SAS Software die Basis für neun Prozessschritte innerhalb der Initialdatenaufbereitung, darunter zum Beispiel der gesamte ETL-Prozess (ETL = Extract, Transform, Load), die Kodierung und die Validierung des Fragebogens. Darüber hinaus kommt SAS auch in der Mikro- und Makrodatenaufbereitung zum Einsatz.

Nach der erfolgten Datenaufbereitung ermöglichen SAS Werkzeuge den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BFS weitere komplexe Analysen, die wichtige statistische Resultate produzieren.

„Das Team von SAS hat innerhalb des Projektes auch an Stellen unterstützt, P12 12-0197 die über den eigentlichen SAS Part deutlich hinausgingen. So kommen heute beispielsweise SAS Prozeduren zum Einsatz, um Erkennungsfehler und -lücken, die bei der maschinellen Erfassung handschriftlich ausgefüllter Fragebögen entstanden, automatisiert abzugleichen", so Gesamtprogramm- Koordinator Kauthen.

Nutzen des neuen Systems

  • Kostensenkung: Das neue Volkszählungsmodell kostet im Zeitraum 2008 bis 2015 69 Millionen CHF. Dem stehen 170 Millionen CHF bei der Volkszählung 2000 im alten System gegenüber.
  • Harmonisierung der im Registerharmonisierungsgesetz definierten Personenregister von Bund, Kantonen und Gemeinden.
  • Schnellere Verfügbarkeit der Resultate: Alle Ergebnisse liegen innerhalb eines Jahres vor. Im alten System dauerte es mehr als zwei Jahre.
  • Politik, Forschung und Gesellschaft erhalten ein genaueres und aktuelleres Bild von Trends und Entwicklungen innerhalb der Schweiz.
  • Im Bundesamt für Statistik fällt signifikant weniger manueller Aufwand an. Eine noch stärkere Fokussierung von Kernkompetenzen wird ermöglicht.

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Business Thema

Performance Management

Die Lösung

Business Analytics

Nutzen

  • Kostensenkung
  • Harmonisierung der Personenregister von Bund, Kantonen und Gemeinden.
  • Schnellere Verfügbarkeit der Resultate
  • Genaueres und aktuelleres Bild von Trends und Entwicklungen für Politik, Forschung und Gesellschaft
  • Weniger manueller Aufwand
  • Stärkere Fokussierung auf Kernkompetenzen

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